Botanischer Jahresrückblick 2009
Da das ja hier ein Sport- und Chili Blog ist, wird es auch langsam mal Zeit etwas zu den Chilis zu schreiben. Nach dem kürzlich fertiggestellten sportlichen Jahresrückblick kann ich direkt mit dem botanischen weitermachen und beleuchten, welche Höhen und Tiefen die Chilisaison 2009 gebracht hat.
Es war meine zweite Saison. Mit der Aussaat begann ich diesmal etwas früher als im Vorjahr, und zwar Anfang März. Neben den Vorjahressorten Habanero Chocolate und Habanero “Craig’s Double Hot” wollte ich auch mal was neues probieren. Von einer Bekannten hatte ich eine Packung Samen für so kleine lila Zierchili bekommen. Der genaue Name ist leider nicht mehr bekannt. Außerdem hatte ich bei Pepperworld noch zwei weitere interessante Sorten bestellt: Riviera, eine mittelscharfe Kirschchili und Super F1, mittel bis scharfe Pepperoni. Ich wollte neben den ultrascharfen Habaneros gern etwas aus der Mittelklasse, was man auchmal bedenkenlos pur essen oder in den Salat schnippeln kann, ohne Angst haben zu müssen, an mittelschwerer Darmverbrennung zu verenden. ^^
Die Aussaat verlief problemlos und bald zeigten sich auch die ersten Pflänzchen. Allerdings keimten nicht alle Sorten gleichmäßig gut. Und der Monat März war ziemlich verregnet und kalt, weshalb ich (bzw. die Zöglinge) mit ziemlichen Lichtproblemen zu kämpfen hatte. Das äußerte sich dann erwartungsgemäß in spargeligem, zu hohem und blattarmen Wuchs der kleinen Sämlinge. Nach 15 Tagen waren erst 11 von 36 Pflänzchen “geschlüpft”. Habe dann von einigen Sorten nochmal nachgesäht um sicherzugehen, dass auch von den neuen genügend kommen.
Im April ging dann der grandiose Frühsommer los, mit Sonnenschein satt. Von da an lief es besser und ich konnte bald pikieren. Habe eine ganze Menge Pflanzen groß gezogen, teils im Balkonkasten am Südfenster, teils in großen Kübeln am Boden. Und ich habe auch wieder ein paar Exemplare abgegeben, u. A. nach Hause ins kühlere Erzgebirge.
Erstaunlich, wie unterschiedlich die klimatischen Bedingungen im Vergleich zu Dresden doch sind und sich auf den Wuchs auswirken. Verwendete bei den heimischen Chilies (linkes Bild) etwa gleichgroße Töpfe wie in Dresden, ähnlich hochwertiges Substrat und ebenfalls Ausrichtung in süd-west-Richtung. Dennoch war der Gesamtwuchs wesentlich kleiner und kompakter, die Blätter in größerer Anzahl und kleiner ausgebildet. Auch die Reifung der Früchte, z. B. bei den F1 verlief wesentlich langsamer. Während bei mir in Dresden meist ein Tag ausreichte um von grün zu rot abzureifen, als streiche jemand mit dem Pinsel darüber, dauerte es im Gebirge mehrere Tage, mit langsam stetig wechselndem Farbverlauf. Schätze die nachts wesentlich niedrigeren Temperaturen und der viele Wind zu Hause haben ihre Spuren hinterlassen.
Bei meiner ersten Ernte im Spätsommer habe ich dann stolze 1,65 Kilo geerntet. Herrlich. Die Habaneros waren gewohnt superscharf und aromatisch und sind im Tiefkühlschrank gelandet. Der ist jetzt halb voll. Da müssen mehr Platzreserven her ^^
Die Riviera hat mich enttäuscht. Es waren insgesamt nur drei Pflanzen gekommen. Eine im ersten Anlauf, die anderen im zweiten. Habe bei mir nur eine großgezogen. Sie Wuchs entgegen den Erwartungen wie ein Busch zunächst mal nur zu einem langen dicken Stiel, an dessen Spitze sich dann eine Blütengruppe bildete. Erst später wuchsen von da aus neue Triebe mit weiteren Blütengruppen. Der Geschmack war nicht besonders. Einige waren überhaupt nicht scharf, einige wenige mittelmäßig. Sie hatten zuviele Kerne und zuwenig Fruchtfleisch. Die werde ich nicht mehr anbauen.
Die F1 hat mir eigentlich ganz gut gefallen. Die Schärfe war doch ziemlich heftig. Mehr als ich gehofft oder geplant hatte und daher eher nicht zum bedenkenlosen so essen. Der Wuchs war bei allen Pflanzen super. Ziemlich buschig und schon bald mit massig Blüten und anschließenden Schoten. Gehen von Aussehen und Geschmack ein wenig Richtung Thai Chilis. Haben sich sehr gut frisch an Nudelsoße gemacht. Nach der Ernte habe ich sie aufgefädelt und getrocknet. Die reichen noch bis nächsten Sommer ^^
Die Liladinger kann man wirklich als Zierpflanze bezeichnen. Sieht wirklich hübsch aus, aber geschmacklich reißt es mich nicht vom Hocker. Ähnlich wie bei der Riviera, zuviel Kerne, zuwenig Fruchtfleisch und kein besonders herausragendes Aroma. Schärfegrad so 6-7. Hab sie getrocknet mit den F1 zusammen. Interessant dabei war, dass in dem kleinen Samenbeutel meiner Bekannten (das klingt irgendwie äh merkwürdig *g*) wohl auch noch eine andere Sorte war. Die wurden nicht Lila, sondern hellgrün-gelb, von der Form wie Thais. Sind dann auch nach rot abgereift und schmecken wie Thais. Auch gut :)
Alles in allem war die Saison ganz ertragreich. Einige Probleme am Anfang aber dann lief es. Habe darüber nachgedacht bei der nächsten Aussaat auf Kunstlicht zu setzen. Aber dafür fehlt mir wohl die Zeit, da die Diplomarbeit Vorrang hat und sich nicht von selbst schreibt.
Kurios: ich hatte über den Sommer irgendwie nicht alle kleinen pikierten Pflanzen losbekommen, und so fristete noch eine Habanero ihr elendes Schattendasein in ihrem Minitopf. Nach meinem Urlaub Anfang September habe ich die dann zusammen mit zwei kurz zuvor frisch gesähten F1 mit auf Arbeit genommen. Da haben wir riesige Südfenster mit extrabreitem Fensterbrett. Die haben sich dort prächtig entwickelt und über den Herbst sogar Früchte ausgebildet die inzwischen reif sind. Habe so bereits meine gesamte Bürobelegschaft mit dem Chilivirus infizieren können :) Mal sehen wie sich die Überwinterungschilis noch entwickeln. Sollte ihnen im Frühjahr spätestens mal etwas neue Erde und größere Töpfe spendieren.
Noch ein paar Sätze zu meinem anderen Gepflänz
Ich hatte so eine schöne meterhohe Strahlenaralie gleich neben dem Fenster in der Ecke. Die sah immer ganz gut aus. Bis ich mich im Sommer spontan entschlossen habe die krustige alte Erde gegen ein neues frisches Wurzelbett zu tauschen. Weiß auch nicht was da schief gelaufen ist. Vermute, ich habe im Anschluss zuviel gegossen. Jedenfalls ist das Ding jetzt wohl tot. Hat kein einziges Blättchen mehr. Sehr schade. Muss auf jedenfall irgendwo wieder eine neue ranbekommen.
Vor kurzem hab ich dann noch dieses kleine Pflänzchen hier bekommen. Hab noch nicht recherchiert, was es genau ist, aber ich find es sieht ziemlich cool aus, und wächst auch fröhlich vor sich hin. Da mach ich bestimmt auch noch paar Ableger fürs Büro ^^
Meinem heiligen WuBa, offiziell aus dem heiligen Land importiert, geht es garnicht gut, wenn er nicht sogar schon tot ist. Hatte ihn mit massiver Wurzelfäule 2008 bekommen. Mutti hat ihn dann notoperiert und wieder einigermaßen aufgepäppelt. Er hatte dann sogar ein paar Blätter bekommen, wie im Bild zu sehen. Aber irgendwas ist dann da wohl auch schief gelaufen dieses Jahr. Scheinbar entweder zuviel oder zuwenig Wasser. Regt sich schon seeeeeeehr lange nichts mehr. Habe ihn jetzt mal wieder gewässert (tauchen!), mal sehen ob nochwas kommt. Oder ich probier nochmal eine Beschneidung, bin mir noch nicht sicher. Kennt jemanden einen WuBa-Experte?
Das wars so ziemlich zum Pflanzen- und speziell Chilijahr 2009. Auf ein neues. :)


21. Januar 2010 um 16:54
Hi, wie bist du eigentlich auf Chilis gekommen? Ich finde deine Ernte super. Was mir an den Dingern gefällt, ist die Farbe. Sind ja die Hingucker, wenn man welche hat.
Zu deiner Strahlenaralie kann ich dir (solltest du mal wieder eine haben) nen Tipp geben. Viel Licht, keine direkte Sonne und trockene Büroluft. Im Baumarkt gibts die Pflanzen manchmal schon recht günstig (ca. 5 € für 30-40 cm hohe Pflanzen).
Deine zwei anderen Pflanzen sehen richtig originell aus. :)
30. Januar 2010 um 10:58
Gute Frage, weiß ich garnichtmehr so genau. Ein guter Studienfreund und ich entdeckten dass wir beide gern leckere Chilis essen. Er hatte damals schon selbst welche gezogen und mir mal eine Pflanze Geschenkt. Danach hab ichs dann auch selbst versucht und bin zu einem richtigen Chilihead geworden ^^
Ja die sehen schon toll aus, aber vor allem schmecken sie auch super.
Einen neuen Trieb Strahlenaralie hab ich bereits bei Mutti geordert ;) Mal sehen obs diesmal besser klappt.