Hoch-und-Tief-Tour

Wochenende. Zeit für eine ausgedehnte Radrunde. Geplant hatte ich diesmal etwas in der Gegend um 70-80 Km oder drei Stunden. Muss mich ja langsam mal an die 100km ranarbeiten…

Im Vorfeld natürlich wieder die allesentscheidende Frage: – nein nicht wohin, sondern – “Was ziehe ich an?” Und die war diesmal schwer zu beantworten, denn die Wetterbedingungen waren sehr ungünstig. Der Wetterdienst meines Nichtvertrauens vermeldete ca 12°C und Wind aus Nordwest um die 28km/h. Na Halleluja! Ein Blick aus dem Fenster zeigte dicke Wolken, bei der sich die Sonne nur gelegentlich blicken ließ.

Die richtige Kleidung gibt es da eigentlich gar nicht, denn viel zu kontrastreich und wechselhaft sind die Verhältnisse auf dem Rad. Im günstigsten Fall hat man gerade einen schönen happigen Anstieg, der Wind säuselt auf der anderen Seite des Berges und die Sonne kuckt durch. Da brauchts nicht viel, außer kurze Hosen und Trikot. Aber dann saust man den Berg in einer rasenden Abfahrt wieder hinab. Der Wind bläst mit voller Wucht entgegen und die Sonne macht Pause. Da ist man doch froh wenn man Beinlinge, windichte Jacke, Buff, Handschuhe und am besten auch noch Überschuhe dabei hat. Wie soll man da eine richtige Entscheidung treffen? Und alle Furz lang an und ausziehen ist jetzt auch nicht das Gelbe vom Ei aber leider unvermeidbar. Ich entschied mich für Beinlinge, langes Trikot über dem kurzen und Handschuhe. Die Windjacke hab ich eingepackt (ein Hoch auf meine packfreudige Deuter Satteltasche).

Wo sollte es hingehen? Zur Abwechslung hatte ich mal NICHT nach der Windrichtung geplant (was sich noch als Fehler herausstellen sollte). Gewöhnlich versuche ich die Strecke so zu legen dass ich auf der Hinfahrt gegen den Wind kämpfen muss und auf dem Rückweg vom Rückenwind zehren kann. Klar war nur: auf keinen Fall irgendwo durch die Ebene bei dem Wind! Ich wollte mal wieder Richtung Süden. Durch Täler und über Hügel klingt da eigentlich ganz gut.

Also erstmal nach Bannewitz hoch, ganz gemütlich eintreten. Dabei wurde mir schon ziemlich warm, also hab ich die richtigen Handschuhe gegen die kurzen Radhandschuhe getauscht. Trikottaschen sind ein Segen! (wieso gibts die nicht bei Läufershirts?) Weiter ging es ein Stück Radweg bis Possendorf, am Golfclub Elbflorenz vorbei und immer weiter nach oben bis Börnchen (Was fürn drolliger Name xD). Diesmal hatte ich auch die Digicam dabei, um etwas von der wunderbaren Landschaft einzufangen.

Zwischenstop Börnchen Zwischenstop Börnchen Abfahrt nach Oelsa

Dann ging es eine eigentlich schöne Abfahrt nach Oelsa rein. Aber der Wind wollte mir das nicht gönnen, so heftig stürmte er mir entgegen. Da musste man den Lenker ganz schön festhalten und etwas mehr bremsen als sonst nötig – schade! Dann direkt wieder den nächsten Hügel hoch, zum Glück im Windschatten, denn die Steigung hatte es in sich! Auf halber Strecke konnte ich dann endlich die ersten Düfte des nahenden Rapsfeldes riechen. Herrlich! Ich geb zu ich steh drauf. Dieses Leuchten ist einfach der Hammer!

Rapsfelder Ein Radler im Rapsfeld xD Rapsfelder Rapsfelder Talsperre Malter

Nach einigen Fotostops ging es weiter Hügel hinab und wieder hinauf, an der Talsperre Malter vorbei in Richtung Glashütte. Die meiste Zeit fuhr es sich auch berghoch richtig gut, denn der Wind kam, wenn er kam, von hinten, und drückte einen quasi den Berg hoch. Fantastisches Gefühl voranzuschweben und kein Lüftchen zu spüren. Was für eine coole Tour!

Dann ging es weiter nach Glashütte runter, ziemlich steile Abfahrt. Und da holte mich mein altes Problem wieder ein: meine Fahrradschuhe sind nicht winddicht. Die haben vorn nur so ein dünnes, luftdurchlässiges Mesh. Im Hochsommer wenn man sich einen Berg hochquält, mag das ja ganz gut sein. Sobald es aber auf einer Abfahrt etwas zugiger wird, kühlen die Füße blitzschnell aus. Und was ist schlimmer, als kalte Füße zu haben? Muss mir dringend ein paar leichte, windundurchlässige Überschuhe besorgen, oder mal in neue Schuhe investieren. Wobei die ansonsten Top in Ordnung sind!

Ab Glashütte nahm ich die Talstraße Richtung Heidenau. Hier spürte man dann auch schon deutlich, dass der Wind noch da war, und keineswegs mehr von hinten schieben wollte. Meine Füße waren Eisklumpen. In Schlottwitz habe ich dann erstmal ein Päuschen gemacht, um wieder etwas Blutzirkulation zu bekommen und eine Kleinigkeit zu essen (Apfel & Müsliriegel – mjammm). Dann gings weiter und wieder links weg, den Berg hoch, Richtung Hausdorf. Da merkte ich dann auch schon so langsam, dass sich mein Akku dem Ende neigte.

Hausdorf Oben angekommen, und den Abzweig Richtung Maxen nehmend, bekam ich dann die Rechnung für meine leichtfertige Streckenplanung präsentiert. Der Wind stürmte mir vollends entgegen. Bieberkacke! So quälte ich mich über die letzten Hügel bis nach Kreischa rein. Die Oberschenkel brannten. Obwohl es jetzt nur noch bergab ging, war es kein entspanntes Fahren mehr. Akku leer. Gegenwind. Muskeln müde. Da werden auch die gemütlichen Strecken zur Tortur. Die letzten flachen Meter in Dresden bin ich nur noch mit läppischen 15-20km/h dahingeeiert. Was für eine schreckliche Tour!

Nach 3:45h und 74Kilometern war ich endlich wieder zu Hause. Puuuuuuh! Was für eine Hoch-und-Tief-Tour. Und das nicht nur wegen des Formkontrastes sondern auch der vielen Hügel, die mir immerhin 870 Höhenmeter bescheert haben. Trotz der kleinen Planungsschlappe und dem Formtief am Ende eine coole Runde auf die ich auch ein wenig Stolz bin.

Daten der Tour:

* Dauer: 3:45 h (netto 3:12 h)
* Distanz: 74,4 km
* Schnitt: 23,27 km/h
* Durchschnittsspuls 140 bpm
* Höhe: 870 hm
* Pulszonen gesamt: KB 31%, GA1 39% GA2 27% EB 2%

P.S.: Wo waren eigentlich heute die anderen Rennradler? Ganze zwei Stück sind mir unterwegs begegnet. oO


 
 
 

3 Kommentare zu “Hoch-und-Tief-Tour”

  1. Jens
    16. Mai 2010 um 22:29

    Oh ja, der Wind hat mich heute auch zur Verzweiflung gebracht. Es ist immer wieder schön, wenn man eh schon nicht mehr kann und es dann erst richtig zur Sache geht ;)
    Zumindest die Bilder sehen aber cool aus! Schöne gelbe Ecke da oben.

    “War der Lauf nicht Dein Freund, so war er Dein Lehrer.” – kann man auch auf Radtouren beziehen ;) Nächstes Mal also doch wieder vom Wetter die Route diktieren lassen.

    Und ein bißchen Rumkotzen gehört dazu, schließlich machen wir das nicht zum Spaß!

  2. Bernd
    17. Mai 2010 um 15:54

    Stimmt, das Leuchten der Rapsblüten ist wirklich wunderschön. Daher habe ich heute eine intensive Raps-Tour unternommen.

  3. Martin
    21. Mai 2010 um 10:48

    Auf dem Bild, wo die kurze Abfahrt zur Talsperre Malter zu sehen ist, kann man sehr gut erkennen, wie stark der Wind an dem Tag war. Das Schlimme ist ja eigentlich weniger der Wind, sondern vielmehr, dass er genau dann kommt, wenn es am Ungünstigsten ist :-D .

Kommentar abgeben: