15. Fahrradfest der Sächsischen Zeitung – Nachbetrachtung

Und da war das 15. Fahrradfest der Sächsischen Zeitung auch schon wieder vorbei. Anne und Micha am Start Bei unmenschlichen, heißen Temperaturen unter der gnadenlosen Sonne, habe ich mich mit zwei Freunden (Anne und Michael) über die 125-Km-Strecke gequält. Man kann unter diesen Bedingungen durchaus von einer Extremveranstaltung sprechen…

Meinen vorherigen Trainingsstand würde ich mal als nicht optimal, aber ausreichend beschreiben. Da ich in den letzten Wochen der Diplomarbeit lag, war für umfangreiche Radtouren keine Zeit, meine längsten Touren dieses Jahr waren gerademal 80km. Ich war aber relativ oft laufen, weshalb zumindest eine gewisse  Grundkondition vorhanden war.

Eine Woche zuvor bin ich mit Anne eine Tour Richtung Meißen gefahren. Es war ähnlich heißes Wetter wie auch für Sonntag angekündigt. Ich weiß nicht ob ich zu wenig getrunken oder mich die pralle Sonne doch zu hart getroffen hatte, die letzten 20Km waren jedenfalls eine Qual, und ich war kurz vorm umkippen!

Entsprechend waren meine Bedenken, ob ich bei den angekündigten über 35°C die lange 125Km Strecke würde schaffen können. Wir beschlossen es ruhig angehen zu lassen. Das Fahrerfeld der RTF1 am Start Das Fahrerfeld der RTF1 und ich am Start Punkt 8:15 Setzte sich der Tross der ca 1100 Teilnehmer in Bewegung. Die Sonne brannte bereits ordentlich. Gemütlich ging es über die Marienbrücke, am Bahnhof Neustadt vorbei aus der Stadt hinaus. Es macht schon Spaß mit so vielen Mitfahrern über große Hauptkreuzungen bei Rot drüber rollen zu können ;)

Dann ging es die Hansastraße entlang, an deren Ende ein saftiger kleiner Anstieg wartete. Und hier bot sich ein beeindruckendes Bild. Die Gesamte Straßenbreite vom Feld der RTF-1-Bestreiter überzogen. Wir waren noch nichtmal annähernd am Anstieg, da sah man schon das riesige Feld den Berg hinauf ziehen. Wahnsinn! Da kommt doch langsam so etwas wie Tourfeeling auf :)

Nachdem kleinen Anstieg hat das Feld dann auch so langsam Fahrt aufgenommen und sich etwas verteilt, und so ging es in windeseile und einem deutlich über 30er Schnitt zum ersten Verpflegungspunkt in Radebeul. Dort haben wir nur kurz unseren Wasservorrat aufgefrischt und eine extra Portion getrunken – ganz wichtig bei diesen Temperaturen! Fix noch eine Banane reingeschoben und schon gings weiter.

Auf dem Weg nach Ortrand

Das Tempo zum zweiten Verpflegungspunkt in Ortrand war wieder recht hoch, aber dennoch gut zu fahren. Es ging über lange Wiesen und durch Waldstücke. Ein Blick auf das Streckenprofil zeigt: leicht bergab. Deswegen fuhr es sich noch recht entspannt ;) In einem Dorf hatte die hiesige Feuerwehr die Löschwagen ausgepackt und präsentierte eine zünftige Wasserdusche. Welch herrliche Erfrischung das war! Auf dem Weg nach Ortrand mit Ulle im Zug Ich weiß nicht, ob ich dann wegen der Hitze bereits Halluzinationen hatte, aber ich meinte, in unserem Zug Ulle persönlich, im maillot jaune zu erblicken ;)

Auf dem Weg nach Ortrand Auf dem Weg nach Ortrand Auf dem Weg nach Ortrand Auf dem Weg nach Ortrand

Kurz bevor wir nach Ortrand hinunterdüsten bot sich ein weiterer interessanter Anblick. Wir kamen aus einem Wäldchen heraus und die Straße ging leicht kurvig dahin und ordentlich bergab. Und vor uns eröffnete sich das breite Flache Land! Bemerkenswert!

In Ortrand gab es dann eine ausgedehnte Pause mit viel Flüssigkeitsnachschub und ordentlich was zu futtern. Zum Glück konnten wir ein schattiges Plätzchen ergattern!

Und weiter ging es. Ich weiß nicht, was sich die Tourenplaner dabei gedacht haben, denn die ersten Meter führten über extrem fiese dicke Pflastersteine. Ein kleines bisschen Paris Roubaix. Mein Kumpel hat dann gemeint, das sei Absicht, damit die Muskeln nach der Pause ordentlich wachgerüttelt werden – guter Punkt! Diese Etappe sollte die schwerste werden. Bereits einige Kilometer steckten in den Beinen, und die Sonne brannte unbarmherzig weiter. Micha führte einen Zug an, und das mit ordentlich Pfiff. Ich führte meinen eigenen Überlebenskampf unter der drückenden Hitze. Da wir inzwischen auf dem Rückweg waren ging es über viele Hügel stetig bergauf. Auch das machte sich durchaus bemerkbar!

Irgendwann bemerkte ich, dass Micha nichtmehr and er Spitze unserer Gruppe fuhr, und plötzlich war ich selbst vorn. Ohje! Aber ich fuhr in meinem eigenen mäßigen ertragbaren Tempo, ohne zu viel Gas zu geben. Hauptsache zum nächsten Verpflegungspunkt durchkommen war die Devise. Aber die anderen schienen auch am Limit zu sein, denn es wollte keiner mehr die Führung übernehmen. An einem Stop einer größeren Kreuzung fummelte ich mir ein Gelpack aus der Satteltasche, um ein letztes bisschen Energie bereitzustellen. Die letzten Kilometer waren eine Qual!

Plötzlich war es da, ein Schild am Rand: Verpflegungspunkt 500m YEEEHAAA – geschafft. Ich suchte meine Mitfahrer, aber nur Anne fuhr noch neben mir. Von Micha keine Spur. Am Eingang zum Parkplatz der Verpflegungstelle in Radeberg stoppten wir im kühlenden Schatten eines Baumes um auf ihn zu warten. Als er nach einigen Minuten noch nicht da war, beschlossen wir erstmal Verpflegung aufzunehmen und es mal übers Handy zu versuchen.

Verpflegungspunkt 3 in Radeberg Verpflegungspunkt 3 in Radeberg

Kühles frisches Wasser – was für eine Wohltat! Nicht nur im Mund, auch auf dem Kopf. Echt pervers, diese Hitze! Im Gewühl der Verpflegungsstände kam Micha plötzlich angetrabt. Er war sichtlich genervt, nicht nur hatte er sich in der Führungsarbeit zu sehr verausgabt, nein, sein Mantel des Hinterrades war auch noch kaputt. Immerhin fuhr das Rad überhaupt noch. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen, aßen, tranken und Micha rief erstmal den Pannendienst.

Sie meinten was von einer halben Stunde, waren aber bereits nach 10 Minuten da, und der Mantel im Handumdrehen gewechselt. Echt super Service von den Jungs vom Fahrrad XXL. Dann mussten wir noch kurz warten, bis ein kleiner Engpass in der Wasserverorgung der Verpflegungsstände überwunden war (das muss nun wirklich nicht sein!) und dann ging es auch schon weiter, die letzten 25km Richtung Dresden.

Richtung Pirna, die Sonne brennt unbarmherzig Richtung Pirna, die Sonne brennt unbarmherzig

Inzwischen war es auch ganz schön gefüllt auf den Wegen, denn die drei längsten Strecken (125, 90, 75) waren inzwischen zusammengelaufen. Kurz vor Eschdorf gings es rechts weg, noch ein paar kurze Anstiege und über kleinere Sträßchen Richtung Elbe. Hier wurde es teils ganz schön eng. Dann kam die angekündigte schwierige Abfahrt durch den Helfenberger Grund. Aber kein Grund zur Panik, wenn man vorsichtig war. Ich musste hinter einer kleinen Gruppe bremsen, an der meine Mitfahrer noch rechtzeitig vorbeigekommen waren. Unten an der Elbe angekommen trat ich ordentlich in die Pedale, um wieder heranzufahren, getreu dem Motto: “Kette rechts, vierzscher Schnitt”. Muss Rückenwind gewesen sein, denn ich düste meine Lielingsstrecke mit lockeren 40km/h entlang und überholte einen nach dem anderen und hatte schnell wieder Anschluss gefunden. Echt cool, es waren tatsächlich noch Reserven vorhanden, auch wenn die Sonne nachwievor ohne Erbarmen drückte. Und so düsten wir die letzten Kilometer gemeinsam Richtung Zielstrich.

Geschafft - im Ziel Puuuuuh, was für eine Tour! Micha fiel erstmal sprichwörtlich tot vom Rad. Ich war froh über den verdienten Schatten und die absolvierte Leistung. Haben uns dann noch das obligatorische Gruppenfoto geholt (dieses Jahr leider 50cent pro Abzug – schweinerei!) und dann gings auch schon Heim.

Interessanterweise hatte ich die Tage danach keine Beschwerden, kein Muskelkater nix. Aber das lag wohl einfach an der Hitze, da kann man garnicht an die Leistungsgrenzen gehen, weil man sonst einfach vom Rad kippen würde. Wir haben eine ganze Menge Menschen gesehen, die sich am Rand der Strecke in Schattigen Plätzchen Pausen gegönnt haben, um das Ganze durchstehen zu können. Insofern bin ich doch auch stolz, dass ich meine Kräfte so gut einteilen konnte und die Verpflegung dispzipliniert durchgehalten habe, um beschwerdefrei (von fiesen Kopfschmerzen mal abgesehen) ins Ziel zu rollen!

Freu mich schon aufs nächste Jahr, dann aber hoffentlich mit etwas milderen Temperaturen. Dieses Jahr gibt es allerdings auch noch ein Highlight, denn ich schaffe es dann hoffentlich zum ersten Mal bei der Heidenrau RTF mitzurollern…

Daten der RTF1 (inklusive Anfahrt):

  • Dauer: 6:39 h (netto 4:21 h)
  • Distanz: 124 km
  • Schnitt: 28,4 km/h
  • Durchschnittsspuls 150 bpm
  • Höhe: 600 hm

Lobenswert:

  • Pannendienst: schnell und zuverlässig, bereits nach zehn Minuten waren die Jungs da und haben im Handumdrehen den Mantel gewechselt, und weiter gings, super! :)
  • Touren: Digital auf Bikemap verfügbar, sehr cool, hab mir die RTF1 direkt auf meinen Garmin Forerunner 310XT geladen.

Kritikwürdig:

  • Zu wenig Verpflegungspunkte. Vor allem zwischen Ortrand und Radeberg wars doch ganz schön knapp. Vier Punkte wie in den Jahren zuvor ist vor allem bei solchen Temperaturen zu empfehlen!
  • Das offizielle T-Shirt ist dieses Jahr ein Reinfall. Funktionsshirt ist ja gut, Baumwolle kommt beim Radeln sowieso nicht in Frage. Über das Design kann man vielleicht streiten, sollen die Reifenspuren schonmal visualisieren welche Gefahr im Straßenverkehr droht? Aber der Schnitt geht überhaupt nicht. Weiß nicht welcher Anfänger das designt hat, aber es passt einfach nicht. Man hat das Gefühl es verkehrtherum zu tragen. Leicht kratzig finde ich es auch. Prädikat: nicht tragbar, nichtmal in der Freizeit. Sehr schade!

Besucherstatistiken rund ums Fahrradfest P.S.: Auch lustig, meine Besucherstatistik. Mein Artikel über das Fahrradfest hat ziemlich viele Besucher angelockt, mit dem Höhepunkt am Tag des Fahrradfests selbst, danach gings wieder abrupt bergab xD


 
 
 

2 Kommentare zu “15. Fahrradfest der Sächsischen Zeitung – Nachbetrachtung”

  1. Martin
    19. Juli 2010 um 10:05

    Ich bin ja dieses Jahr nicht dabei gewesen, mir war die Strecke nicht besonders attraktiv (im Vergleich zu den letzten beiden Jahren z.B.). Gefahren bin ich aber dennoch meine Trainingsrunde, die so ziemlich genau bis Ortrand geht – also gleiche Richtung. Der Blick, wenn man kurz vor Ortrand auf dem Hügelchen ist… der ist schon beeindruckend, oder? :-)
    In Anbetracht der Temperaturen und deiner Vorbereitung kann sich die Zeit sehen lassen. Was ich aber nicht verstehe, weshalb du zwischen Ortrand und Radeburg noch mehr Verpflegungsstellen möchtest? Das sind doch nur ein paar km – wenn die Flaschen voll sind, dann kommste mit 1,5l doch mind. 1,5h hin!? Oder hast du ein Loch irgendwo und es läuft durch? :-D

    Wenn du in Heidenau mitfahren willst, dann solltest du vorher aber schon noch ein paar km fahren, denn das ist ein Stück weiter und mit ein paar Hm mehr versehen. Nicht aus den Augen verlieren.

    Jedenfalls ein schöner Bericht ist’s geworden.

  2. Der oben erwähnte Micha
    26. Juli 2010 um 18:21

    Ja, dass 15. Fahrradfest der sächsichen Zeitung. Ich muß sagen, dass ich mich durchaus auf das Fest gefreut habe, aber meine Vorfreude auf das Fahrradfest ist in den Tagen vorher stark abgeklungen. Weil in den Tagen zuvor die Wettervorhersagen immer höhere Temperaturen angesagt hatten.

    In der Tat wurde es dann, im Laufe des Veranstaltungstages, immer heisser bis einige Wetterstationen Temperaturen von 38 Grad im Schatten meldeten. Damit aber nicht genung. Die Hitze kam ja nicht nur von oben, wenn man in der Sone fuhr. Nein, der Asphalt heitzte sich auch immer stärker auf und man füllte sich ab der Mittagszeit ähnlich wie eine Pizza im Backofen bei Ober – und Unterhitze. Das sind wirklich keine Temperaturen für mich. 10 Grad und darunter sind die Temperaturen bei denen ich mich wohl fülle. Und das war an diesem Wochenende, zumindest für mich, eine reine Quälerei.

    Auch muß sagen, dass ich mir einen weiteren Verpflegungspunkt zwischen Ortrand und Raderberg gewünschte hätte. Um damit gleich die oben gestellte Frage von Martin zu beantworten. Nein, natürlich hatten wir kein Loch in den Wasserflaschen. Die wurden auch in Ortrand bis zum Rand aufgefüllt. Aber bei solchen Temperaturen, wie oben beschrieben, fliest das Wasser nicht nur die Kehle hinunter, sondern auch mal über den Kopf und den Nacken. Damit man sich mal kurz erinnert, dass man eben keine Pizza ist.
    Und dann sind die Flaschen auch ziemlich schnell leer.

    Mir ist das kurz vor Raderberg passiert. Die Hitze wurde unerträglich, mein Wasser war aufgebraucht und meine Mitfahrer hatten nicht gemerkt, dass ich zurück falle und somit war ich allein auf mich gestellt. Und dazu hatte ich auch noch den Schaden am Hinterrad. Etwa 2 km vor dem Verpflegungspunkt in Raderbeg musste ich eine Pause einlegen, um nicht vom Rad zu fallen. Ich saß etwa 15 bis 20 Minuten im Schatten um mich etwas zu erholen. Aber ehrlich gesagt, mit mir war es an diesem Punkt schon vorbei. Um ein Haar wäre ich abgebogen und nach Hause gerollt. Doch mein Ehrgeiz hat mir geholfen das zu Ende zubringen.

    Und im Endeffekt habe ich diese Hitzeschlacht gewonnen und es geschafft. Bravo für Mich!

Kommentar abgeben: