Tour de Dresde – Ein Sprung ins kalte Wasser

20.07.2010 Tour de Dresde Etappe 16

Tour de Dresde - Etappe 16 - Höhenprofil

Heut wollt ich mich endlich mal wieder aufs Rennrad schwingen. Hatte vorher mal noch im Cielab-Forum gestöbert, und festgestellt, dass ja zur Zeit auch die Tour de Dresde läuft. Da hatte ich garnicht mehr drangedacht. Da mal mitzurollern habe ich schon seit einigen Jahren vor, aber es hat sich immer irgendwie nicht ergeben, oder ich hab mich einfach nicht getraut. Aber heute hat das irgendwie gepasst und so entschloss ich mich also ziemlich spontan da mitzurollern…

Die Tour de Dresde was ist das eigentlich? Momentan findet ja die große dreiwöchige große Frankreichrundfahrt statt, die Tour de France (TdF). Parallel dazu gibt es für die hiesigen Rennradler eine Freizeitveranstaltung, genannt Tour de Dresde (TdD). Dabei wird immer eine Etappe zusammen gefahren, die in etwa der TdF-Etappe des Tages entspricht. Natürlich nicht genauso lang, sondern nur zirka ein Drittel, aber mit entsprechendem Profil. Gibt es eine Flachetappe, wird in Dresden flach gerollert. Ist bei der TdF Bergetappe, geht es über die Hügel rund ums Elb(en)tal. Da bei der TdF momentan die Pyrenäen im Programm sind, war auch für die TdD bergiges Profil angesagt. Da hab ich ja den richtigen Einstieg gefunden…

Um 18:00 wird sich wochentags am Goldenen Reiter getroffen. Ich war fünf Minuten früher da und scheinbar der erste, doch schon bald kam ein Rennradler nach dem anderen eingetrudelt. Insgesamt waren es ca 25 Leute (sogar eine Dame). Nach dem Eintrag in ins Muttiheft und dem obligatorischen Euro, getreu dem MINERVA-Gedanken, ging es auch schon los.

Was für ein Gefühl! Schon nach den ersten Momenten im Feld dahinzurollern war klar: das ist geil! Natürlich war ich hochkonzentriert, denn gerade noch in der Stadt gibt es auf Grund der vielen Ampeln ordentlich Stop-and-Go, also immer schön aufpassen niemandem draufzurollern. Immer wieder lustig das Konzert der ein- und ausklickenden Pedale.

Tour de Dresde - Etappe 16 - Strecke

Es ging über die Carolabrücke durch die Südvorstadt, Plauen auf die Talstraße Richtung Freital. Mit einem deutlich über 40er Schnitt sind wir dahingeflogen. ich musste zwar schon ganz schön treten, aber es ging trotzdem erstaunlich gut. Windschatten macht echt soviel aus! Allein komm ich nie über 35, außer mit orkanartigem Rückenwind ;)

Schon bald gings rechts weg den Berg hoch. Halleluja. Das war schon ganz schön anstrengend. Auf was habe ich mich da nur eingelassen waren meine Gedanken! Das erste steile Stück musste ich schon Anschlag fahren um mitzurollern. Wie sollte ich das die ganze Tour durchhalten?!

Dann ging es ein Stück einen mir unbekannten Radweg entlang. Etwas flacher aber trotzdem volle Konzentration vordernd, denn überall lauerten Pylonen, abgesenkte Bordsteine, andere Verkehrsteilnehmer und natürlich die vor, neben und hinter einem fahrenden Radkumpanen.

Schließlich ging es weiter nach Oberhermsdorf. Einen Anstieg, den ich gut kenne, weil ich da öfters langfahre. Ziemlich steil und fordernd. Aber cool! Es ist schon krass, wenn man mit aller Kraft den Berg hoch strampelt und dann plötzlich noch andere Fahrer an einem vorbei schießen, als wären sie mit dem ICE unterwegs. So muss sich die Spitzengruppe am Donnerstag bei der TdF gefühlt haben, auf dem Weg zum Gipfel des Tourmalet, als die Duellanten Frank Schleck und Alberto Contador sprichwörtlich vorbeigeflogen sind!

Am Gipfel wurde wieder gesammelt und es ging den Berg hinab, und den nächsten wieder hinauf, und wieder hinab und so weiter… Das Streckenprofil spricht für sich ;)

Beim Anstieg nach Fördergersdorf kam  ich mit einem Fahrer ins Gespräch, der mir Respekt zollte mit dem Hinweis auf mein doch etwas schwereres Arbeitsgerät bei diesen Anstiegen. Als ich ihm dann noch eröffnete, dass dies meine erste Tour wäre, meinte er dafür halte ich mich doch ziemlich gut. Das hat mich dann schon angespornt. Obwohl es ziemlich anstrengend war, machte es tierisch Spaß. Bergfahren an sich sowieso  – “Quäl dich du Sau!” ;)

So langsam nahm die Sonne deutlich Kurs auf den Horizont. Das Licht am Abend, während wir über die Hügelketten des Dresdner Westens rollten, war schon fantastisch.

Doch dann… In Herrndorf, nach einigen Hügeln, sah es deutlich aus, als würden alle zusammenrollern und einen kurzen Futterstop einlegen. Ein anderer Fahrer und ich nutzen die Gelegenheit für eine PP, während weitere Fahrer anrollten. Dann kam noch ein Dritter dazu, aber das Feld war plötzlich weg. Wir haben fix Verfolgung aufgenommen und versucht Anschluss zu finden, aber an der nächsten großen Kreuzung war Schluss, denn es war nicht sofort klar, wo es weiterging.

Nuja, wir sind dann zu dritt über Tharandt, Freital heimgerollert, immer schön abwechselnd, ging trotzdem ganz schön flott. Auch wenn ich da echt am Limit war. Hätte mir nach der Arbeit, vor der Tour noch was ordentliches zu essen einwerfen sollen, und auch während der Tour noch was nachschieben sollen. Ist aber im Feld garnicht so einfach!

Nach zweieinhalb Stunden und 75 Kilometern war ich wieder zu Hause. Ziemlich platt aber glücklich. Das wird sicher nicht meine letzte Tour bei der TdF und den Leuten von Cielab gewesen sein :)

Daten der Tour:

  • Dauer: 2:35h
  • Distanz: 75 km
  • Schnitt: 28,8 km/h
  • Durchschnittsspuls 160 bpm
  • Höhe: 746 hm

 
 
 

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