Der Hobbit – Eine unerwartete Reise

Ohne große Einführung, mein kleines Resumé zum ersten Teil von Peter Jacksons „Der Hobbit“ Verfilmung, der lang ersehnten, filmischen Fortsetzung Tolkiens Mittelerdestoff.

Ich habe mir kurz bevor der erste Teil in die Kinos kam natürlich noch mal das Buch zur Hand genommen um wieder im Stoff zu stehen. Ob das immer so eine gute Idee ist, weiß man ja, dass an der Geschichte oft ordentlich verändert wird, sei mal dahingestellt.

Mein Eindruck ist, von einer Sache abgesehen, durchweg positiv. Technisch Oberklasse, bietet der Film in gewohnter Herr-der-Ringer-Manier genau das, was man erwarten konnte: tolle Bilder in atemberaubenden Kulissen, Witz, Spannung und gute Musik. Es ist ein Genuß, wieder in Mittelerde einzutauchen, neue Geschichten zu erfahren und alte Bekannte wiederzutreffen.

Dass es keine einszueins Umsetzung des Buches werden sollte, war lange bekannt. Schon allein deshalb, weil aus dem doch recht schmalen Büchlein drei ganze Filme in Überlänge geplant waren. Und das ist auch durchaus legitim. Ich finde, dass hier das Potential deutlich zum Vorteil genutzt wurde, die vielen Randgeschichten, auf die im Buch nur verwiesen wurde, aber kein Platz war, großzügig auszumalen. Dies ist wirklich gelungen, wie zum Beispiel die Einbettung der Erzählung an den Anfang vom Herrn der Ringe mit Frodo und dem alten Bilbo. So gab es das ein oder andere Mal ordentlich Gänsehaut wie bei Ankunft im bekannten Bruchtal, natürlich wieder mit dem passenden Theme von Howard Shore! So macht Kino Spaß.
Nicht nur Ian McKellen (Gandalf) sagte, es wäre wie eine Rückkehr bei der man eigentlich kaum weg gewesen sei. Man fühlt sich sofort wieder wohl und heimelig in Mittelerde.
Die Geschichte des Hobbit wurde schließlich mit viel Witz, Spannung und Liebe zum Detail gezeichnet. Höhepunkt natürlich, der Wechsel des Ringes beim Zusammentreffen von Bilbo und Gollum. Ein Vergnügen und fantastische Kinounterhaltung!

Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack, der wohl leider auch nicht anders zu erwarten war. Denn wie so oft, wurde das Potential einer perfekten Umsetzung verschenkt. Hier und da wurden Änderungen an der Grundstory vorgenommen, welche dem Kenner des Buches sofort aufgefallen sind. Änderungen, die weder notwendig, noch verständlich oder tolerierbar sind. Warum tut ein angesehener Regisseur und Produzent so etwas? So viele Szenen waren quasi einszueins dem Buch entnommen, was doch beweist, das es möglich ist. Und dann wurde wieder übel umgestrickt. Was sollte diese erfunde Ork-Verfolgungsgeschichte? Unnötig. Warum diese künstlich erschaffenen Heldenszenen, wie der Angriff der Zwerge auf die Trolle (wurden die Zwerge doch gänzlich überrascht), oder der Angriff Bilbos auf den Superork auf der Klippe? Unnötig. Der Stoff war doch in sich perfekt und ausglichen. Und wir sind doch längst in einer Zeit angekommen in der filmisch nichts mehr unmöglich ist, zählt also auch diese Ausrede nicht. Wieso muss man dann einen solchen Fauxpas begehen? Für mich absolut unverständlich.

Letztlich bleibt aber, obwohl es für das I-Tüpfelchen nicht gereicht hat, ein durchaus positiver Eindruck. Ein episches Fest für die Sinne. Ich hatte viel Spaß und freue mich auf die Fortsetzungen!

Nachtrag zur deutschen Fassung:

Gandalf hatte nicht seine altbekannte Synchronstimme. Sowas nervt tierisch. Hier ging es gerade noch so durch, beim alten Spock damals im neuen Star Trek war ich regelrecht entsetzt. Dafür, dass die Deutschen Spitzenreiter im Filme synchronisieren sind, ist das mal wieder ein Armutszeugnis. Klar, manchmal sind die alten Synchronsprecher eben nicht (mehr) verfügbar. Aber würde man wollen, könnte man auch jemanden anderes finden, der genau die gesuchte Stimme hat. Aber das Thema mit dem perfekten Film hatten wir ja schon…

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