Mein erstes mal… Halbmarathon

28.04.2013 Das war er nun also, mein erster Halbmarathon. 2011 wollte ich schon einmal beim Oberelbe-Marathon mein HM-Debüt geben, konnte dann aber verletzungsbedingt garnicht erst antreten. Diesmal sollte es klappen und schon viele Monate vorher war das Ziel gesetzt. Aber es kam mal wieder ganz anders…

Vorbereitung

Mit läppischen 14 Trainingskilometern im April, 52km im März, stand das Unternehmen unter keinem guten Stern. Das Training lief einfach nicht richtig. Hier mal ein Erkältung, da mal zu viele Tage Pause, zuviel Aktivität in alternativen Sportarten (diese eine Badmintonsession war tödlich…) und dann wieder zuviel auf einmal und die gefürchteten drohenden Überlastungserscheinungen am Schienbein. Letzten Monat habe ich dann, weil es sich nicht richtig anfühlte, das Pensum fast komplett runtergeschraubt. Mein Rettungsplan: lieber jetzt die Beine stillhalten, damit ich dann überhaupt mitlaufen kann, und nicht wie zwei Jahre zuvor ganz ausfalle.

Hab mich also in der Zwischenzeit mehr afs Rennrad konzentriert. Da kamen immerhin schon ein paar Kilometer zusammen. Das tägliche Mit-dem-Rad-zur-Arbeit mitgerechnet, war zumindest eine gewissen Grundform gegeben.

Mein Ziel: natürlich ankommen, Spaß haben, aber wenn ich mich gut fühle auf jeden Fall unter zwei Stunden ins Ziel. Mit fünfeinhalb bis sechs Minuten pro Kilometer sollte das doch eigentlich machbar sein…

Die Wetteraussichten zum Wettkampftag waren für meine Verhältnisse angsteinflößend. War es die Woche noch warm und sommerlich, hatte es sich Samstag extrem abgekühlt, auf um die acht Grad. Und Regen. Prognose für Sonntagmorgen: leichter Regen, wolkig, acht Grad. Igitt! Nicht nur, dass man sich mitten in der Nacht rausqälen muss, dann noch diese Kälte und Nässe. Absolut nicht mein Fall. Und was soll man da anziehen? Kurz, lang, Jacke? Hab mich für lange Hose und Regenwindjacke über langem Shirt entschieden. Und das war auch gut so.

Der Wettkampftag beginnt.

6:45 klingelt der Wecker. Eine Stunde Zeit um irgendwie wach zu werden und etwas essbares runterzuwürgen. Es ist zu früh, ich bin müde, und dann die Aufregung vor dem Rennen. Ich schaffe es, eine Portion Müsli mit frischem Obst und eine Banane runterzudrücken und dazu einen Espresso mit Milch. Anziehen, Startnummer anpinnen, noch etwas Wegzehrung einpacken für die Anreise zum Start. Und ab gehts, fix mit dem Rad zum Hauptbahnhof, puh es ist wirklich verdammt frisch, die Hände frieren fast ab.

Und dann mit der S-Bahn nach Pirna. Viele Läufer warten schon am Bahnsteig. Sehen auch nicht viel wacher aus als ich. Aber man spürt die erwartungsvolle, aufgeregte und freudige Atmosphäre. In der S-Bahn ist es ganz schön heiß. Nach 20 Minuten drängen die Läufer aus der Bahn und traben die letzten 500 Meter zum Startbereich. Wie eine Herde Vieh, dass zur Schlachtbank geführt wird. Am Start herrscht emsiges treiben, ich gehe mich auch noch etwas einlaufen und aufwärmen und beziehe schließlich im Startbereich Aufstellung.

Startschuss

Es wird voll im Startblock. Ca 2500 Laufbegeisterte wollen die Halbmarathondistanz absolvieren. Endlich der Startschuss. Bis zur verengten Startlinie wie gewohnt nur gehen, Laufcomputer starten und los gehts.

Ich laufe mit der Menge, gutes Wohlfühltempo. Es pendelt sich schon bald um die 5:20-5:30 ein. Sehr gut, das ist doch ein Tempo mit dem man arbeiten kann. Die ersten zwei Kilometer gehen schnell vorbei, ich fühle mich gut. Puls leicht über 70%. Ich überhole und werde überholt. Es läuft. Ich mache zwei Läufer aus, die schon eine Weile vor mir laufen, also genau mein Zieltempo. Ich beschließe dranzubleiben. Das wird gut funktionieren.

Kilometer 3, es macht sich ein leichter Anflug von Seitenstechen bemerkbar. Oh nein, das darf auf keinen Fall passieren. Sollte ich rausnehmen? Aber ich bin recht entspannt unterwegs eigentlich. Wie ein gewöhnlicher Dauerlauf. Ich laufe weiter, versuche die Atmung zu variieren.

Kilometer 5, Das Seitenstechen hat sich wieder verzogen, puh Glück gehabt. Bin inzwischen warm gelaufen. Es nieselt leicht. Die erste Verpflegungsstelle naht. Ich genehmige mir ein Schlückchen Wasser, auf Schrittempo abbremsen, Becher greifen, ein paar Schlucke nehmen, mhh erfrischend, und wieder Fahrt aufnehmen.

Die nächsten Kilometer vergehen wie im Fluge. Ich fühle mich gut, atme die frische, feuchte Luft tief in die Lungen, lasse den Blick schweifen, verliere mich immer wieder in Gedanken zwischen den Momenten wo ich auf der Pulsuhr das Tempo kontrolliere. Mit einem Auge immer mein Zugpferd im Blick. Ich laufe mit einem breiten Grinsen im Gesicht und genieße jeden Moment.

Kilometer 7, es wird etwas gedrängt und entsprechend unruhiger. Mein Zugpferd hat anscheinend etwas angezogen, der „Tacho“ nähert sich der 5:00/min, der Puls steigt an, ich überlege ob ich ihn ziehen lasse und wieder in mein Tempo falle, der Abstand wächst, rechts taucht Pillnitz auf, immer wieder ein fantastischer Anblick. Ich laufe weiter, komme wieder ran, Tempo pegelt sich wieder ein. Geht doch.

Kilometer 10, die Hälfte ist bald geschafft, müsste nicht langsam das Blaue Wunder in Sicht kommen? Ach nein, die große Wiese in Tolkewitz ist erst noch zu passieren. Obwohl ich die Strecke sehr gut kenne, da ich hier oft mit dem Rad unterwegs bin, ist es schwer sich gedanklich jeden Kilometer entlangzuhangeln ohne etwas zu vergessen. So langsam merke ich wie die Muskeln müde werden. Die Auswirkungen des fehlenden Trainings zeigen sich allmählich.

Kilometer 13-14, die letzten Meter zum Blauen Wunder. Eine Startlinie ist entfernt zu erkennen. Das kann doch nicht der Start für die 10-Kilometer-Strecke sein, wir haben doch schon über die Hälfte geschafft?! Egal, kurz Wasser aufnehmen und weiter gehts, die breiten Elbwiesen entlang. Dann fällt mir ein, dass es auch einen  7,5km-Walking-Strecke gibt, das passt schon eher. Also „nur“ noch ein Drittel übrig.

Die Stimmung an der Strecke ist gut, Menschen feuern die Läufer an, hier und da Trommelgruppen. Aber man merkt deutlich den Einfluss des schlechten Wetters, gerade jetzt, wo wir inzwischen in Dresden angekommen sind, hätte ich deutlich mehr Zuschauer erwartet.

Kilometer 16-18, der „entspannende“ Teil des Laufs liegt längst zurück, die Muskeln sind müde, das linke Knie vermeldet ersten Einspruch und zieht etwas, der rechte Oberschenkel scheint zu Stein erstarren zu wollen und will den Dienst versagen. Aber da müssen sie jetzt durch. So weit ist es ja nicht mehr.

Kilometer 19, nur noch ein Katzensprung, es geht unter der Carolabrücke hindurch, eine weitere Trommelgruppe macht ordentlich Stimmung, ich bekomme Gänsehaut. Die Schmerzen werden betäubt. Mein Zugpferd habe ich schon eine Weile hinter mir gelassen, habe etwas an Tempo angezogen.

Kilometer 20, es naht die Stelle, die ich mit einer sehr guten Freundin und quasi meinem Laufcouch des Tages, ausgemacht habe. Sie sieht mich zu erst und feuert ordentlich an, und natürlich springt auch ein Foto dabei raus.

Der letzte Kilometer, ich ziehe noch etwas an, aber nicht übertrieben, will die letzten Meter richtig auskosten. Linkskurve vom Elberadweg, eine weitere Trommelgruppe und Cheerleader, und viele Zuschauer, die Stimmung kocht, Dauergänsehaut, ich grinse übers ganze Gesicht. Ist das mal geil?!

Rechts gehts ins Hans-Steyer-Stadion hinein, auf die Bahn, die letzte Runde. Ich schaue nach langer Zeit mal wieder auf die Uhr, sie zeigt 1:53, in der aktuellen Einstellung aber ohne Sekunden. Wie lang läuft die 53. Minute schon? Ist sie gerade angebrochen, oder wird es jeden Augenblick auf 54 schalten? Ich weiß es nicht, aber beschleunige, vielleicht kann ich sie halten. Ich laufe und schaue, immernoch 53, wird das klappen? Es kommt auf nichts an, aber wäre doch toll diese Marke noch zu halten. Zielgerade, ich sprinte ins Ziel und stoppe. Immernoch 53, geschafft yay. Nettozeit 1:53:53.

Plötzlicher Stopp, der Puls rast, aber ist schon wieder auf dem Weg nach unten. Ein paar Schritte und die Medaille entgegennehmen. Dann über eine Stufe aus dem Startbereich heraus, bekomme kaum das Bein hoch. Ich kann es nicht so recht fassen, dass ich es geschafft habe, noch dazu in einer unter den Bedingungen garnicht so schlechten Zeit, dass der Lauf schon vorbei ist. Ich will nochmal, die letzte Runde war so toll.

Im Ziel

Treffe mich mit der Freundin, sie freut sich riesig für mich, ich vertröste sie, dass sie selbst nicht mitlaufen konnte (musste erkältungsbedingt auf ihren HM-Lauf verzichten), wir genehmigen uns ein leckeres Erdinger, und saugen noch etwas die Atmosphäre auf. Fix ein paar Fotos schießen. Und natürlich ein paar leichte Dehnungen durchführen, meine Beine sind ganz schön mitgenommen. Gehen ist grade so möglich.

Der Kommentator vermeldet, dass der Erste beim Marathon sich in windeseile dem Ziel nähert. So langsam scheint auch das Wetter besser zu werden. Und siehe da, genau zum Zieleinlauf des ersten Marathonies, den wir an der Strecke verfolgen, kommt die Sonne raus. Und genauso schnell ist sie auch wieder weg, das gibts ja nicht.

Der Tag danach

Muskelkater war ja abzusehen. Und der hatte es in sich. Halleluja. Aufstehen, hinsetzen, schneller gehen, eine einzige Qual. Treppen steigen, pure Folter. Das muss lustig ausgesehen haben, wie ich so durch die Gegend gehumpelt bin…

Am Dienstag hat mich dann leider auch noch eine Erkältung übermannt, obwohl ich eigentlich kein mal unterkühlt war. Das nervt natürlich tierisch.

Die Woche danach

Die Erkältung nahm ihren Lauf. Viele Tage Ruhe und zu Hause. Aber nach einer Woche ging es wieder aufwärts. Muskelkater hat sich nach ein paar Tagen bereits verzogen. Aber nun offenbarte sich der Rechnung zweiter Teil: das rechte Knie fühlt sich garnicht gut an. Stechen unter Last, zum Beispiel beim Treppen steigen. Dieses Gefühl kenne ich doch irgendwoher. Heute morgen (Di) noch fix zu meinem Doc die Sache abklären lassen: natürlich wie ich es ahnte, am Kniegelenk durch die Überlastung entzündet. Das heißt die Sportpause geht noch etwas weiter…

Fazit

Halbmarathon mit quasi keiner echten Vorbereitung? Kann man schon machen. Aber sollte man auch? Gesund ist was anderes. Ich brauche meinen persönlichen Sportcoach, mich darf man echt nicht alleine rauslassen.

Dennoch bin ich ein klitzekleines bisschen froh und stolz, dass ich es durchgezogen habe. Die Sub-2h sind geknackt. Aber da geht noch viel mehr. Mit der richtigen Vorbereitung. Verletzungsfrei. Vielleicht schaffe ich es ja nächstes Jahr rechtzeitig in den richtigen Trainingsflow zu kommen? Dann könnte man ja wieder angreifen.

Und was ist mir Marathon? Natürlich steht der auf der Lebens-ToDo-Liste. Aber dafür ist ja noch viel Zeit, das muss nicht gleich nächstes Jahr sein, nene ;)

Jetzt erstmal weiter regenerieren, gesunden und dann ganz langsam wieder einsteigen, denn es steht Ende Mai noch die Teamchallenge an, der 5-Kilometer-Firmenlauf. Da soll ja auch eine neue Bestzeit her. Und außerdem hab ich da ein Hühnchen mit einem geschätzten Kollegen zu rupfen…

Ansonsten stürz ich mich wieder mit dem Rennrad ins Getümmel. Der Sommer ist da. Let’s rock!

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